Philosophie

Was brauchen Kinder? Grenzen oder Freiräume? Freiräume oder Grenzen? Wir sind der Überzeugung, dass Grenzen und Freiräume einander bedingen. Dennoch haben uns die Erfahrungen aus 33 Jahren Kinderhaus darin bestätigt, den Fokus auf die Freiräume zu richten. Grenzen / Regeln / Vereinbarungen sind die Mittel zur Öffnung von Freiräumen. Kinder sollen wachsen und nicht durch zu viele Verbote klein gehalten werden. Warum diese Ausrichtung? Die Kinder, die wir bisher in unserem Haus aufgenommen haben, bringen meist große Schwierigkeiten mit.

Meist werden die Kinder in ihrem Herkunftssystem als massiv störend erlebt. Bis man sich für stationäre Hilfsmaßnahme entscheidet, findet in aller Regel eine Eskalation in der Herkunftsfamilie statt, die alle Beteiligten hohe Belastung empfinden ihren Möglichkeiten zu handeln lähmt. Man könnte auch sagen, dass es keine Freiräume mehr für die Beteiligten gibt. Veränderung setzt voraus, dass neue Handlungsalternativen möglich, das neue Freiräume geschaffen werden. Wenn Kinder das Kinderhaus Högersdorf als Chance für neue Freiräume annehmen, dann ist das eine so einschneidende Veränderung, dass eine Vielzahl seiner als störend empfunden Alltagsgewohnheiten entfallen. (Es ist toll zu sehen, wenn Kinder nicht mehr gegen Regeln anrennen, sondern beginnen sich die Freiräume zu nehmen, die sich ihnen bieten.) Das klingt einfach, diesem Prinzip zu folgen.

Wir erleben jedoch immer wieder die Versuchung, das Symptom bekämpfen zu wollen (schließlich erleben wir im Alltag, was für eine große Last es sein kann, wenn ein Kind sich selbst oder andere mit ausweglosen Verhaltensmustern auf die Nerven geht.). Die größte Chance dieser Versuchung zu widerstehen, besteht darin, uns im Team gegenseitig zu unterstützen.